Milch Marker Index Fakten

Der Milch-Marker-Index (MMI) lag im Juli 2026 bei 123 Punkten. Die Milcherzeugungskosten blieben mit 56,65 Cent je Kilogramm gegenüber dem vorhergehenden Stichmonat nahezu unverändert. Rückläufige Kosten für die Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen sowie für zugekauftes Futter glichen höhere Saatgutkosten weitgehend aus. Gleichzeitig ließ der bislang kostendämpfende Effekt der Rindererlöse nach. Durch den Anstieg des Milchauszahlungspreises um 1,15 Cent auf 39,44 Cent je Kilogramm verbesserte sich die Kostendeckung leicht auf 70 Prozent. Damit hat sich die Kostenunterdeckung gegenüber 2025 von 8 auf 30 Prozent deutlich erhöht.

Im regionalen Vergleich verbesserte sich das Verhältnis zwischen Preisen und Kosten in der Region Nord am stärksten. Als einzige Region verzeichnete sie sinkende Erzeugungskosten (−0,40 Cent auf 50,82 Cent je Kilogramm) bei gleichzeitig steigendem Auszahlungspreis (+1,17 Cent auf 38,99 Cent). In der Region Ost übertraf der Preisanstieg (+ 2,33 Cent auf 40,16 Cent) den Kostenanstieg (+0,90 Cent auf 55,87 Cent).

Die Region Süd wies weiterhin die ungünstigste Kostendeckung auf. Die Erzeugungskosten stiegen um 0,18 Cent auf 63,33 Cent je Kilogramm, der Auszahlungspreis um 0,62 Cent auf 39,62 Cent. Anders als früher erzielte Süd damit nicht mehr den höchsten Auszahlungspreis. Die Kostenunterdeckung blieb mit rund 37 Prozent besonders hoch.

Mit der aktuellen MMI-Berechnung wurde die Datenbasis auf die EU-Buchführungsdaten 2024 (FSDN, zuvor INLB) umgestellt. Die neu berechneten Milcherzeugungskosten für 2024 liegen mit 56,32 Cent je Kilogramm um 1,70 Cent über der bisherigen Schätzung. Auffällig ist der Anstieg der allgemeinen Betriebskosten um 10,5 Prozent gegenüber 2023 auf 28,85 Cent je Kilogramm. Der Anstieg verdeutlicht den zunehmenden Kostendruck auch bei allgemeinen betrieblichen Aufwendungen. Auf aktualisierter Datenbasis wurden auch die Trendwerte für 2025 und 2026 neu berechnet.

Kurz notiert

Gutachtenerstellung beauftragt

Das Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) wurde von der MEG Milch Board w. V. mit der Erstellung des Gutachtens sowie der Berechnung des MMI beauftragt.

Weitere Wissenschaftler haben sich an dem Projekt beteiligt. Die zutreffende Systematik und Methodik der Kostenberechnungen ist von unabhängiger Expertenseite zustimmend kommentiert worden. 


Auf einen Klick

Ausführliche Informationen dazu auch im aktuellen Gutachten, welches Sie hier als  PDF Dokument laden können.

Das Erstgutachten aus dem Jahr 2013 kann in der Göttinger Geschäftsstelle angefragt werden.

Karte Erzeugungskosten

Milch Marker Index MMI

Berechnungsstand: Juli 2026 / Veröffentlichung: 15.10.2026

Quelle: Trendberechnung BAL auf Basis von Daten Destatis und FSDN/INLB
 

* 2025 und Stichmonate 2026: vorläufiger Trend. Alle Angaben ohne MwSt. Ab 2024 aktualisierte Berechnungsbasis FSDN 2024, Hochrechnungen ab 2025 auf Basis FSDN 2024 und Destatis. Zuvor Berechnungsbasis INLB 2010–2023.
 

** alle Milchpreise bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß, ab 2019 ab Hof, zuvor frei Molkerei. Quelle: BLE (625) BLZ-Datenzentrum Preise für konventionell erzeugte Kuhmilch, Stand 10.09.2026

Preis-Kosten-Ratio (Unterdeckung)

Berechnungsstand: Juli 2026/ Veröffentlichung: 15.10.2026

 

Quelle Grafiken und Tabellen: 
Trendberechnung BAL auf Basis von Daten Destatis und FSDN/INLB


 

MILCH & MARKT

In Deutschland sind die Kuhschlachtungen im August 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 11,1 Prozent gestiegen. Das liegt an den hitzebedingt zum Teil knappen Futterbeständen. Das Milchaufkommen in Deutschland ist nach einer kurzen Unterbrechung weiter leicht rückläufig und lag in der 39. Kalenderwoche 2026 um 1,8 Prozent über dem Niveau der entsprechenden Vorjahreswoche.

Das Milchaufkommen schrumpft, die Inhaltsstoffe sind niedrig und Angebot und Nachfrage nähern sich zumindest wieder an. Frank Lenz, Vorsitzender der MEG Milch Board w. V., sagt: „Die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe ist äußerst prekär und es fehlen 30 Prozent zur Kostendeckung“. 

Der Preis für Butter stagniert oder sinkt während der für Magermilchpulver anzieht. Das bildet sich im nur leicht gestiegenen ife-Rohstoffwert ab, der im September um vier Prozent im Vormonatsvergleich auf 42,6 Cent je Kilogramm Rohmilch gestiegen ist. Der boomende Proteinmarkt zeigt sich hingegen nicht ausreichend in den Preisen. Auch bei der Molkerei Arla, die ihre Investitionen in den Proteinmarkt durch die Fusion noch verstärkt hat, schlagen sich diese Preissignale kaum in ihren Auszahlungspreisen nieder. „Studien belegen, dass sich der Auszahlungspreis mehr am ife-Rohstoffwert orientiert und weniger an der Wertschöpfung der Molkerei. Für die Milchviehbetriebe bedeutet das, am Markt aktiv zu werden und selbst Preise vor Lieferung zu formulieren“, sagt Frank Lenz. „Inwieweit die Preise unmittelbar durchsetzbar sind, hängt davon ab, wie sich die Erzeuger bündeln, ob sie Verträge vor Lieferung mit klaren Elementen aushandeln und wie daraus Produktionsmengen an die Marktbedingungen angepasst werden.“

Um die Milchviehhaltung in Deutschland zu erhalten, reicht es für Milchviehbetriebe nicht, abzuwarten. Top agrar schreibt zur wirtschaftlichen Situation der Erzeuger: „Handel und Verarbeiter sägen an dem Ast, auf dem auch sie sitzen“. Die EU-Kommission hat die Vertragspflicht vor Lieferung initiiert, auch weil das Budget für Agrarzahlungen sinken wird und es umso notwendiger ist, dass der Wettbewerb auch für Erzeugerinnen und Erzeuger funktioniert. Die Konsultation Ende September im Landwirtschaftsministerium zur Anwendung der Vertragspflicht in Deutschland hat gezeigt, dass Milchindustrie, Genossenschaften und deren Interessenvertreter eine Verbesserung der Stellung der Erzeuger in der Wertschöpfungskette ablehnen. „Die MEG Milch Board setzt sich dafür ein, dass die Vertragspflicht in Deutschland wirkungsvoll angewendet wird und Genossenschaften einbezogen werden. Das ist ein erster wichtiger Schritt, dass nicht nur Menge geliefert wird, sondern dass wir Preis, Menge, Qualität und Laufzeiten vor Lieferung verhandeln und festlegen“, sagt Frank Lenz.

 

 

 

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