Nun könnte man daraus folgern, dass eine schlechte Ernte von Leistungs- und Grundfutter direkt mit der produzierten Milchmenge korreliert - wenig Futter gleich weniger Milch. Bisher ist davon am Milchmarkt noch nichts zu spüren - im Gegenteil, die deutsche Anlieferungsmenge liegt fast 3 Prozent über der Vorjahreslinie. Ähnlich sieht die Situation in Frankreich, Italien und anderen wichtigen Produktionsländern aus. Wie ist das möglich? Für Peter Guhl, den Vorstandsvorsitzenden der MEG Milch Board, sind die Zusammenhänge zwischen den Wetterkapriolen des Sommers und der Milchliefermenge sehr komplex. „Die Ernteerträge schwanken regional sehr stark. Zwischen Top-Ernte und Totalausfall liegen oft nur wenige Kilometer. Vielen betroffenen Kollegen bot sich daher die Möglichkeit zum Futterzukauf. Dies hat die Betriebe zwar finanziell stark belastet - was wir übrigens auch am MMI sehen. Doch die Produktionsmenge konnte vielerorts bisher stabil gehalten werden.“ Eine Prognose im Hinblick auf die weitere Entwicklung ist hingegen schwer. 

Guhl: „Wir stehen aktuell am Beginn der Winterfütterungsperiode. Erst die kommenden Wochen und Monate werden zeigen wohin die Reise am Milchmarkt geht. Eines ist sicher, dieser Sommer war kein ‚Fake‘. Er war real, und er wird eine Wirkung auf den Milchmarkt haben. Die Frage ist nur: wann und wie deutlich?“ Verdächtig findet Guhl, dass aktuell von verschiedenster Seite versucht wird, die Lage zu beschönigen. Er vermutet dahinter die Absicht, die Hoffnungen der Milcherzeuger auf einen dringend notwendigen Milchpreisanstieg im Keim zu ersticken. „Wir müssen jetzt extrem aufpassen und die Zeichen am Markt genau beobachten. Die Preis-Kosten-Ratio der MEG Milch Board und der Milch-Marker-Index zeigen, dass die Kosten der Milcherzeugung in den vergangenen Monaten stark gestiegen sind. Milchpreise unter 40 Cent sind nirgendwo gewinnbringend und müssen entsprechend deutlich angehoben werden.“